Die Tamburica

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Seit der Gründung des Kroatischen Kulturvereines stellt die Erhaltung der Sprache, Kultur und Identität der Volksgruppe die Hauptaufgabe des Vereines dar.

Der Kroatische Kulturverein hat auch auf dem Gebiet der Volksmusik und der Volkslieder einen großen Beitrag geleistet, sodaß es auch von musikwissenschaftlicher Seite bestätigt wurde, dass unsere "Tamburica" eine sehr starke ethnische Komponente entwickelt hat und zu einem musikalischen Symbol der Burgenländischen Kroaten geworden ist.

Der Ton des Tamburica-Instrumentes entspricht am bestem unserer musikalischen Mentalität. Es war daher möglich, dass selbst die Jugend dieses Instrument so spontan ohne Zwang und Überredung vollen Herzens angenommen und vereinnahmt hat.

Musik – eine große seelische Macht

Cemba1989 Ein großes Anliegen aller Vorsitzenden des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland (KKV), angefangen von Pfarrer Prof. Ignaz Horvath bis zum jetzigen Präsidenten DDr. Stanko Horvath, der selbst Tamburicaspieler ist, waren die Gründung von Tamburicagruppen, kroatischen Sing- und Theatergruppen sowie deren Unterstützung. Sowohl die Vorsitzenden als auch die Funktionäre des Kroatischen Kulturvereins haben die Kraft der Musik und der Lieder und dessen Einfluss auf Herz und Seele erkannt.

Unterstützung der Tamburicagruppen

Der Kroatischen Kulturverein hat nicht nur finanzielle Mittel für den Kauf von Instrumenten und Trachten zur Verfügung gestellt, sondern hat auch viel in die Weiterbildung der Tamburicaspieler und Dirigenten investiert. Z. B. sind Musikprofessoren aus Kroatien (Prof. Dragan Raljušić, Prof. Vjekoslav Vila u. a.), ins Land geholt worden, denen Fahrtkosten und Honorare bezahlt wurden. Auch den Tamburicagruppen in den gemischtsprachigen Schulen des Burgenlandes hat der Verein die notwendigen Instrumente zur Verfügung gestellt.

gim_Kurzwiese_15051994_tambure Als sich Tamburicagruppen an den Gymnasien in Eisenstadt und Oberwart im Jahre 1994 formierten stellte der Kroatische Kulturverein gerne auch diesen die Instrumente bei. Dasselbe erfolgte 1995 für die Gruppe "Panonci" des Gymnasiums in Oberpullendorf.

Ein interessantes Projekt ist "TANAGH" (Tamburica-Notenarchiv der Burgenländischen Kroaten), welches eine große Unterstützung für die jeweiligen Leiter der Tamburicagruppen ist. Unser Archiv enthält mehr als 260 Partituren von Volksliedern aus dem Burgenland, Dalmatien, Liedern von Prof. Feri Sučić, aber auch von kroatischen Schlagern, die den interessierten Tamburicaspielern kostenlos zur Verfügung stehen. Die Absicht dabei ist, mit Hilfe der kroatischen Musik die Sprache, Kultur und Identität der Burgenländischen Kroaten zu erhalten. Sporadisch werden auch Tamburicaseminare angeboten.

Es ist uns bewusst, dass vor allem unsere Muttersprache der Grundstein unserer Identität ist. Tatsache ist jedoch auch, daß man die Burgenländische Kroaten in ganz Europa auch wegen der Tamburica und der Lieder kennt. Mit Hilfe des Kroatischen Kulturvereins sind unsere Tamburicagruppen die populärsten Boten der Burgenländischen Kroaten geworden, ob zu Hause im Burgenland oder in der weiten Welt.


Ein Blick zurück in die Vergangenheit

Tamburicaspieler, die Erben der ehemaligen Singgruppen

Während der Wirtschaftskrise zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hat der Kroatische Kulturverein in erster Linie auf die Gründung vieler Singgruppen Wert gelegt, da keine finanziellen Mittel zum Kauf von Tamburica-Instrumenten vorhanden waren. Eine Ausnahme war die Gründung der Tamburicagruppe Baumgarten im Jahre 1923.

Im Jahre 1935 gründete der Präsident des Kroatischen Kultuvereins und damalige Pfarrer von Neuberg Ignaz Horvath gemeinsam mit dem Studenten Mate Ivšić in Neuberg eine Tamburicagruppe. Geprobt wurde auf geliehenen Instrumenten der Burschenschaft "Kolo". Diese Burschenschaft borgte im Jahre 1935 Instrumente nach Oslip, wo der Lehrer Johann Gmas noch im selben Jahr eine Tamburicagruppe gegründet hatte. 1934 gründete Direktor Adalbert Kuzmits in Trausdorf eine Tamburicagruppe. Die notwendigen Instrumente besorgte der bei uns bekannte und beliebte Volksdichter Janko Matko. Direktor Stefan Pusztai hatte mit Unterstützung von Aladar Csenar 1936 in Unterpullendorf mit dem Tamburica spielen auf geborgten Instrumenten begonnen. Doch bereits im Frühjahr 1937 hatten sie eigene Instrumente angeschafft. Als Mäzen fungierte der örtliche Wirt und Fleischhauer Anton Perusich, der für alle Kosten aufkam. Ein Jahr später wurde Albin Csenar Leiter der Unterpullendorfer Tamburicaspieler.

Als der Nationalsozialismus 1938 in Österreich Einzug hielt, waren weitere Neugründungen von Tamburicagruppen nicht mehr möglich. Auch nach dem großen und verlustreichen Zweiten Weltkrieg konnte man nicht weiterarbeiten, wo man 1938. aufhören musste. Von der großen Anzahl der Singgruppen blieb nur die Gruppe "Harmonija" in Großwarasdorf übrig. Nur die Tamburicagruppe in Unterpullendorf sowie jene des Burgenländisch-Kroatischen Kulturvereins in Wien konnten in der Hitlerzeit irgendwie ihre Instrumente für bessere Zeiten erhalten. Allen übrigen Tamburica-Instrumente hatten die Nazis verbrannt.

Was den Kroatischen Kulturverein im Burgenland betrifft, haben die Nazis jede öffentliche Tätigkeit unterbunden, wenn sie es auch nicht ausdrücklich verboten haben.

Schon im Herbst 1945 hat Albin Csenar seine ehemalige Tamburicagruppe trotz russischer Besatzung und anderen Schwierigkeiten wieder zum Leben erweckt. So dienten jetzt die Tamburicaklänge als Trost für den Verlust von gefallenen Söhnen, Vätern und Männern. Nicht lange danach, im Jahre 1948, hat der Präsident des Kroatischen Kulturvereines und damalige Pfarrer von Frankenau Ignac Horvath ein Tamburicaorchester gegründet. Der musikalische Leiter war Kantor Ivan Radenić. Von ihm übernahm zwei Jahre später Direktor Konrad Mersich die Führung, der langjähriger Schriftführer des Kroatischen Kulturvereines war. Auch in Kleinwarasdorf ist 1948 durch Kantor Tome Koch eine Tamburicagruppe entstanden. Es ist erwähnenswert, dass die Tamburicagruppe Frankenau unter der Leitung von Ivan Gregorich 1952 zwei Wochen lang in einem Zagreber Kaffeehaus aufgetreten ist. Als Konrad Mersich die Funktion des Schulinspektors in Eisenstadt im Jahre 1960 übernahm, zerfiel leider die Tamburicagruppe in Frankenau. Ähnlich war es auch in Kleinwarasdorf, als Tome Koch nach Wien übersiedelte. Aber schon zwei Jahre später gründete Ivan Orisich in Kleinwarasdorf eine neue Gruppe, die bis 1969 viele Auftritte im mittleren Burgenland hatte. Wie man sieht, waren damals die kroatischen Ortschaften des mittleren Burgenlandes musikalisch sehr aktiv.

Die erste große Revitalisierung des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland war eine Volksmanifestation im Herbst 1951 in Wulkaprodersdorf. Anläßlich des 30-jährigen Bestandsjubiläums des Burgenlandes hat der Kroatische Kulturverein einen "Tag des kroatischen Liedes" organisiert. Sogar die anwesenden Offiziere der Russischen Besatzungsmacht waren begeistert, als auf der Bühne 13 Schul- und Jugendchöre in kroatischer Sprache gesungen haben und drei Tamburicagruppen auftraten (Unterpullendorf unter der Leitung von Albin Csenar; Hornstein, Lt. Franjo Baruškin; Wien, Lt. Feri Sučić).

Der große Erfolg dieser Veranstaltung war Ansporn für weitere derartige Vereinstätigkeiten. Von nun an wurden die Generalversammlungen des Kroatischen Kulturvereines mit Auftritten von Chören und Tamburicaspielern feierlich umrahmt. Als im Jahre 1962 das Tamburicaorchester in Unterpullendorf das 25. Bestandsjubiläum feierte, hat der Kroatische Kulturverein das erste Tamburicafestival im Ort veranstaltet. Neben der Unterpullendorfer Tamburicagruppe nahmen auch zwei Schulchöre des Ortes sowie die Tamburicagruppen aus Trausdorf und Klingenbach teil. Damit unsere Tamburicaspieler eine professionelle Gruppe sehen und hören können, lud der Kroatische Kulturverein zu diesem Fest das Tamburicaorchester aus Zagreb unter dem Dirigenten Teodor Boch.

Erwähnenswert ist, dass das zweite Tamburicaorchester der Nachkriegszeit, die Tamburica Trausdorf, vom Kroatischen Kulturverein im Burgenland Tamburica-Instrumente des Systems Janković für seine wertvolle Tätigkeit erhalten hat.

Tamburica und die Sekretäre des Kulturvereines

Von nun an erlebte die Tamburicabewegung im Burgenland einen großen Aufschwung. Grund dafür war, dass der damalige Präsident des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland Dr. Demeter Linzer in Anlehnung an den Österreichischen Staatsvertrag aus 1955 vom Unterrichtsministerium in Wien eine entsprechende Subvention erhalten hat. Diese finanzielle Unterstützung hat der Kroatische Kulturverein von 1964 fast jedes Jahr erhalten. Auch die Burgenländische Landesregierung hat den Verein jedes Jahr finanziell unterstützt.

Diese Subvention aus Wien ermöglichte dem Verein zum ersten Mal, den schon sehr notwendigen Sekretär anzustellen. Im Tamburicaspieler und Studenten Robert Sucsich, der auch Gründer des Tamburicaorchesters des Kroatischen Akademikerklubs im Jahre 1958 war, fand man den ersten Sekretär. Durch sein Wirken im Kroatischen Kulturverein konnte nicht lange danach Präsident Demeter Linzer stolz von 20 Tamburicagruppen im Burgenland reden. Der Verein kaufte Instrumente, unterstützte die Vereine bei der Anschaffung von Trachten und unterrichtete die Tamburicaspieler und die zukünftigen Dirigenten. Man kann sagen, dass fast alle heute noch bestehenden Tamburicagruppen vom Kroatischen Kulturverein finanziell unterstützt worden sind.

Mate Klikovits, der derzeitige Generalsekretär des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland, selbst ein unermüdlicher, begeisterter Tamburicaspieler, Dirigent und Obmann der Tamburica Zagersdorf, fuhr jahrelang ins südliche Burgenland, um den vom Kroatischen Kulturverein neu gegründeten Gruppen "Vlahija" in Weiden bei Rechnitz und Schandorf das Tamburicaspielen zu lernen. Er gründete eine Jugendgruppe in Steinbrunn, hielt Proben in Parndorf (Mädchengruppe) und Eisenstadt, unterrichtete im Gymnasium Kurzwiese und gründete für den Kroatischen Kulturverein die Tamburica Antau.

Ein großes Anliegen des Kroatischen Kulturvereines waren und sind Tamburica- und Folklorefestivals. Das zweite Tamburica- und Folklorefestival fand 1964 in Oslip statt. Dabei traten acht Tamburica- und zwei Folkloregruppen auf. Zwei Jahre später, im Juni 1966, hat der Verein in Großwarasdorf das dritte Tamburica- und Folklorefestival organisiert. Bei dieser Veranstaltung gab uns der damalige Bundeskanzler Dr. Josef Klaus mit seiner Anwesenheit die Ehre. Um die Tamburicaspieler zu mehr Qualität anzuspornen, gastierte das bekannte Orchester "Pajo Kolarić" aus Osijek unter der Leitung von Julij Njikoš. Als der Kroatische Kulturverein eine Gedenkfeier anlässlich des 40. Todestages von Mate Meršič Miloradić und 25. Todestages von Martin Meršić st. im Jahre 1968 in Frankenau organisierte, kam eine größere Anzahl von Tamburicaspielern und Sängern zum Einsatz. Gleichzeitig wurde auch das 50-jährige Priesterjubiläum von Ignaz Horvath und Martin Meršić ml. gefeiert.

Das Jahr 1969 stand vollkommen im Zeichen des 40-jährigen Bestandsjubiläums des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland. Gefeiert wurde in der Wallfahrtskirche Maria Loretto und am Gründungsort Wulkaprodersdorf.

Zu Ehren von Mate Meršić Miloradić fand im Jahre 1978 im Pfarrgarten von Klingenbach ein Festival statt, bei dem neben unseren Folklore- und Tamburicagruppen wieder einmal eine Profigruppe "Joža Vlahovića" aus Zagreb gastierte.

Besonders imposant waren 1983 die Feierlichkeiten anlässlich des 450. Jubiläums der Ansiedlung der Kroaten im Burgenland. Man hat bis damals noch nie so eine große Anzahl von Burgenlandkroaten bei einer Veranstaltung sehen können. Die Hl. Messe am Vormittag in Maria Loretto haben ca. 10.000 Gläubige mitgefeiert und am Nachmittag bei der Festveranstaltung in Eisenstadt war fast kein Platz für alle Angereisten.

Ein sehr großes Fest fand in der Cselley-Mühle in Oslip anlässlich der; 70. Jahrfeier des Kroatischen Kulturvereines statt. Neben musikalischen Beiträgen und der Vorstellung des Videofilmes "Kroatischer Generator" von Josef Hartmann trat auch das Zagreber Folkloreansamble von Dr. Ivan Ivančan auf. Bei der Tanzunterhaltung hörten wir die bekannte burgenländisch-kroatischen Musikgruppen "Pax" und "Tambećari".

Erwähnenswert sind alle übrigen Folkore- und Tamburica-Festivals, z. B. 1986 in Eisenstadt, 1988 in Stinatz, und danach jeweils 1991, 1995, 1997, 2002 und 2008 im Kulturzentrum in Eisenstadt. Eine der Absichten ist es, in der Landeshauptstadt des Burgenlandes unsere Kultur einem größeren Publikum zu zeigen.

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